Dürfen Sie in Italien mit nassen Haaren nach draußen gehen?

Wenn Sie je mit nassen Haaren aus dem Haus gegangen sind, sollten Sie das in Italien lieber lassen. Was für manche harmlos klingt, wird hier nämlich durchaus ernst genommen. Ein „colpo d’aria“ – ein „Luftstoß“ – gilt als echte Gefahr, besonders wenn das Haar noch nass ist.

Die Vorstellung ist einfach: Zugluft trifft auf feuchte Kopfhaut, und schon kann es zu steifen Nackenmuskeln, Kopfschmerzen oder sogar Verdauungsproblemen kommen. Viele Italiener glauben felsenfest daran – besonders die ältere Generation. Wer mit nassen Haaren unterwegs ist, riskiert nicht nur Gesundheitsprobleme, sondern auch verwunderte oder besorgte Blicke.

Das Phänomen ist so verbreitet, dass selbst Kinder nach dem Baden sofort abgetrocknet werden – und zwar bis ins letzte Härchen. Wer morgens geduscht hat, nutzt den Fön, bevor er das Haus verlässt. Und das nicht nur im Winter: selbst im Sommer gilt die Regel. Denn laut italienischer Überzeugung kann ein „colpo d’aria“ auch bei warmem Wetter zuschlagen, besonders bei Zugluft aus Klimaanlagen oder offenen Autofenstern.

Es ist also kein Gesetz, aber ein kultureller Reflex – fast schon ein Lebensgefühl. Wer sich anpasst, gewinnt Respekt. Und wer vergisst, sein Haar zu trocknen, bekommt schnell eine sanfte Ermahnung zu hören: „Attento! Nicht die Haare nass nach draußen!“

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