Haben orthodoxe Christen eine andere Bibel?

Wer sich mit der orthodoxen Kirche beschäftigt, stößt schnell auf die Frage, ob orthodoxe Christen eine andere Bibel nutzen als Protestanten oder Katholiken. Die Antwort lautet: im Kern nein, im Detail aber ja. Grundsätzlich basiert auch der orthodoxe Glaube auf den beiden Hauptteilen der Heiligen Schrift: dem Alten und dem Neuen Testament.

Der entscheidende Unterschied liegt im Umfang des Alten Testaments. Während die evangelische Kirche sich stark am hebräischen Kanon orientiert und die katholische Kirche einige zusätzliche Schriften (die sogenannten Apokryphen oder Deuterokanonischen Bücher) umfasst, geht die orthodoxe Tradition noch einen Schritt weiter. Sie nutzt traditionell die Septuaginta, eine antike griechische Übersetzung des Alten Testaments. Dadurch enthält die orthodoxe Bibel weitere Schriften und Zusätze, wie beispielsweise das 3. und 4. Buch Makkabäer oder den 151. Psalm, die in westlichen Bibelausgaben fehlen.

Neben der Heiligen Schrift spielt die Heilige Tradition eine fundamentale Rolle im orthodoxen Leben. Der Glaube wird nicht allein durch den biblischen Text definiert, sondern intensiv durch die Lehren der alten Kirchenväter und die Beschlüsse der frühen Ökumenischen Konzile gelebt. Zudem genießt die Gottesgebärerin Maria sowie eine Vielzahl von Heiligen und Patriarchen eine tiefe theologische und liturgische Verehrung, die das spirituelle Fundament der Orthodoxie maßgeblich prägt.

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