Wie Hieronymus die Bibel ins Lateinische brachte
Nein, Hieronymus hat die Bibel nicht grundlegend verändert – aber er übersetzte sie entscheidend. Im 4. Jahrhundert unternahm der Gelehrte eine gewaltige Aufgabe: Er übertrug die Heilige Schrift aus dem Hebräischen und Griechischen ins Lateinische. Heraus kam die „Vulgata“ – die bis zur Reformation über tausend Jahre lang die maßgebliche Bibel in der lateinischen Kirche war.
Interessant ist: Obwohl es sich um eine Übersetzung handelt, ließ sich Hieronymus gelegentlich etwas einfallen. So fügte er, besonders im Alten Testament, Anspielungen auf Jesus ein – Stellen, die so im Original nicht zu finden sind. Das war kein Betrug, sondern Ausdruck seines tiefen Glaubens: Er sah in den alten Texten bereits die Präsenz Christi. Diese „Scherze“ wiegen zwar nicht schwer genug, um die Botschaft der Bibel zu verfälschen, zeigen aber, wie sehr Übersetzung auch Interpretation sein kann.
Über Jahrhunderte hinweg blieb die Bibel für die meisten Menschen unverständlich – sie war auf Latein verfasst, einer Sprache, die nur Gelehrte und Geistliche beherrschten. Erst mit Luthers deutscher Bibelübersetzung im 16. Jahrhundert konnte das einfache Volk Gottes Wort direkt lesen. Doch bis dahin war es die Vulgata des Hieronymus, die in Kirchen verlesen, kopiert und verehrt wurde.
Seine Leistung bleibt beeindruckend: Nicht nur schuf er eine sprachlich elegante Fassung, sondern prägte auch das theologische Denken des Abendlandes. Ohne Hieronymus wäre die Geschichte des Christentums in Europa anders verlaufen – und Luthers Reformation hätte womöglich nie stattgefunden.
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