Die Erde drehte sich früher schneller

Stuttgart – Heute dauert ein Erdentag genau 24 Stunden, doch das war nicht immer so. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass sich die Erde in der Vergangenheit schneller um ihre Achse gedreht hat. Tatsächlich brauchte unser Planet früher weniger als 24 Stunden für eine komplette Umdrehung.

Bis vor Kurzem ging man allgemein davon aus, dass die Erdrotation langsam, aber stetig nachlässt – hauptsächlich durch den Gezeitenbremseffekt des Mondes. Doch überraschende Beobachtungen zeigten, dass sich dieser Trend 2022 plötzlich umkehrte. Forscher stellten fest, dass die Erde sich in jenem Jahr leicht beschleunigte. Am kürzesten Tag, gemessen am 29. Juni 2022, dauerte die Rotation 1,59 Millisekunden weniger als 24 Stunden – ein Rekord seit Beginn der genauen Zeitmessung.

Dieser Trend ist noch nicht vollständig verstanden. Mögliche Gründe liegen tief in der Erde selbst: Veränderungen im Erdkern, Gletscherschmelze oder starke seismische Aktivitäten könnten das Rotationsverhalten beeinflussen. Auch klimatische Veränderungen, etwa das Abschmelzen der Polkappen, könnten eine Rolle spielen, da sich die Masseverteilung der Erde dadurch leicht verschiebt – ähnlich wie bei einem Eiskunstläufer, der beim Drehen die Arme anzieht und schneller wird.

Die Erde dreht sich also aktuell etwas flotter als sonst, zumindest zeitweise. Während diese Abweichungen für den Alltag keine Rolle spielen, stellen sie für Wissenschaftler eine faszinierende Herausforderung dar. Und wer weiß – vielleicht erleben wir in Zukunft sogar einen „negativen Schaltsekunden“-Tag, falls die Beschleunigung anhält.

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