Ist Körpersprache angeboren oder erlernt?
Die Frage, ob Körpersprache angeboren oder erlernt ist, beschäftigt Forschende schon lange. Ein überzeugendes Argument für ihre angeborene Natur kommt von einer faszinierenden Beobachtung: Blinde Menschen gestikulieren, obwohl sie niemals Körpersprache sehen konnten. Sie bewegen die Hände, wenn sie sprechen – und das sogar dann, wenn ihr Gegenüber ebenfalls blind ist.
Dies deutet darauf hin, dass zumindest ein Teil unserer Körpersprache tief in unserer Biologie verwurzelt ist. Solche Gesten scheinen nicht erst durch Imitation gelernt zu werden, sondern entstehen ganz natürlich im Lauf der Sprachentwicklung. Doch das ist nur ein Teil der Wahrheit.
Kultur spielt ebenso eine wichtige Rolle. Während gewisse Ausdrucksformen – wie Lächeln bei Freude oder zusammengezogene Augenbrauen bei Sorge – weltweit ähnlich sind, unterscheiden sich viele Gesten stark von Region zu Region. Ein Kopfnicken bedeutet in manchen Ländern „ja“, in anderen hingegen „nein“. Auch die Distanz, die wir zu anderen halten, oder die Intensität einer Geste unterliegen kulturellen Normen.
Die Wahrheit liegt also in der Mitte: Körpersprache ist weder komplett angeboren noch rein erlernt. Sie entsteht aus einem Zusammenspiel von menschlicher Biologie und sozialem Umfeld. Unbewusst nutzen wir sie jeden Tag – ob sehend oder blind, jung oder alt –, um mehr zu sagen als mit Worten allein.
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