Kammerflimmern ja – Nulllinie nein: Wann Defibrillation wirklich hilft

Ein häufiges Missverständnis in der Ersten Hilfe betrifft den Einsatz eines Defibrillators. Viele Menschen glauben, dass ein solches Gerät in jeder lebensbedrohlichen Herznotlage helfen kann. Doch das stimmt nicht – besonders nicht bei einer sogenannten Nulllinie.

Bei der Nulllinie zeigt das EKG keinerlei elektrische Aktivität des Herzens. Die Herzzellen sind still, es gibt kein erkennbares Signal. In diesem Zustand, auch als asystolisch bezeichnet, bringt eine Elektroschock-Therapie nichts. Denn ein Defibrillator kann nur dann wirken, wenn das Herz noch aktiv, aber chaotisch schlägt – wie beim Kammerflimmern.

Bei Kammerflimmern zucken die Herzmuskelzellen unkoordiniert und verhindern so eine effektive Pumpfunktion. Hier kann ein Defibrillator entscheidend helfen: Der Stromstoß setzt das Herz kurzzeitig komplett still und gibt ihm die Chance, einen normalen Rhythmus wiederzufinden. Genau dafür sind die Geräte entwickelt worden.

Bei einer Nulllinie dagegen ist die beste Maßnahme eine sofort beginnende und qualitativ hochwertige Herz-Lungen-Wiederbelebung (HLW). Durch kontinuierliche Brustkompressionen wird zumindest ein minimaler Blutfluss zum Gehirn und zu lebenswichtigen Organen sichergestellt. Nur so kann die Zeit überbrückt werden, bis medizinischer Notarztdienst eintrifft.

Wichtig ist daher: Ein Defibrillator ersetzt nicht die HLW, sondern ergänzt sie gezielt – aber nur, wenn der Rhythmus es erfordert. Die Erkennung, ob Kammerflimmern oder Nulllinie vorliegt, übernimmt das Gerät selbst und entscheidet dann automatisch, ob ein Schock notwendig ist.

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