Kann man wirklich süchtig nach Lesen sein?
Die Vorstellung, süchtig nach Lesen zu sein, klingt für viele zunächst einmal seltsam – schließlich gilt Lesen als gesund, bildend und bereichernd. Doch tatsächlich gibt es durchaus Menschen, für die das Lesen oder der Besitz von Büchern eine fast zwanghafte Rolle im Leben spielt.
Man muss dabei zwischen zwei Formen unterscheiden: Da ist zum einen die Freude am Lesen als Aktivität – viele Bücherfans kennen das: Man beginnt einen Roman und kann einfach nicht mehr aufhören. Die Geschichte fesselt, die Spannung steigt, und plötzlich ist es drei Uhr morgens. Das ist zwar kein klinischer Zustand, aber eine lebhafte Leidenschaft, die viele Leserfreuden teilen.
Spannender wird es bei der zweiten Form: der Sucht nach Büchern als Objekte. Hier spricht die Wissenschaft von Bibliomanie. Dabei geht es nicht mehr primär ums Lesen, sondern um das Sammeln, Horte und Besitzen von Büchern. Ein Bibliomane kann tausende Bücher besitzen, viele davon ungelesen. Für ihn ist der Wert nicht im Inhalt, sondern im Besitz selbst.
Im Gegensatz zur Lektüresucht, die meist als positiv gilt, kann Bibliomanie tatsächlich problematisch werden – besonders wenn sie Alltag, Finanzen oder Beziehungen beeinträchtigt. Doch bei den meisten Menschen bleibt das Lesen einfach eine wunderbare Gewohnheit, keine Sucht. Wer abends nicht vom Buch aufhören kann, der leidet vermutlich nicht – er genießt nur seine Zeit mit einer guten Geschichte.
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