Können verletzte Nerven sich wirklich erholen?

Die Antwort ist: Es kommt darauf an. Unser Nervensystem ist in zwei Bereiche unterteilt – das zentrale und das periphere Nervensystem. Und hier zeigt sich ein entscheidender Unterschied: Im Gehirn und im Rückenmark heilen verletzte Nervenzellen nur sehr begrenzt nach. Das ist einer der Gründe, warum schwere Schlaganfälle oder Rückenmarksverletzungen oft bleibende Schäden hinterlassen.

Doch anders sieht es im peripheren Nervensystem aus – also in Armen, Beinen und anderen Körperregionen außerhalb des Gehirns und Rückenmarks. Hier können Nervenfasern unter günstigen Bedingungen tatsächlich wieder nachwachsen. Der Prozess ist zwar langsam – etwa ein Millimeter pro Tag –, aber möglich. Das erklärt, warum man nach einer Quetschung des Karpusnervs („Karpaltunnelsyndrom“) oft mit der Zeit wieder Gefühl in den Fingern zurückgewinnt.

Forscher der Max-Planck-Gesellschaft und anderer Institute arbeiten daran, diese Regenerationsfähigkeit auch für das zentrale Nervensystem nutzbar zu machen. In Tierversuchen konnten sie Nervenzellen im Rückenmark unter bestimmten Bedingungen zum Wachstum anregen – etwa durch gezielte Stimulation oder die Unterstützung mit speziellen Botenstoffen.

Obwohl wir noch nicht in der Lage sind, geschädigtes Hirngewebe wie eine verletzte Hautstelle verheilen zu lassen, gibt es Fortschritte. Die Natur zeigt uns: Nerven können sich erholen – zumindest teilweise. Die Medizin sucht nach Wegen, diesen Prozess zu verstärken und auf bisher unzugängliche Bereiche zu übertragen.

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