Sind die Holländer wirklich so nett?
Die Niederländer gelten oft als offen, tolerant und freundlich – ein Volk, das Rad fährt, Blumen liebt und selten laut wird. Doch eine Studie aus dem Jahr 2008 zeigte eine andere Seite: In Wahrheit streiten die Holländer besonders oft mit ihren Nachbarn. So häufig, dass sich sogar eine neue Berufsgruppe entwickelt hat – professionelle Nachbarschafts-Mediatoren.
Ein Volk der Streithähne?Obwohl die Niederländer weltweit für ihre Gelassenheit bekannt sind, scheint der Frieden manchmal nur an der Oberfläche zu liegen. Besonders in dicht besiedelten Städten wie Amsterdam oder Rotterdam führen enge Wohnverhältnisse, Lärmbelästigung oder unterschiedliche Lebensgewohnheiten schnell zu Konflikten. „Ein zu lauter Fernseher, ein falsch geparktes Fahrrad oder Müll außerhalb der vorgesehenen Zeit – das reicht schon, um die Nachbarschaft zu vergiften“, so ein niederländischer Soziologe.
Doch anstatt die Polizei zu rufen oder jahrelang schweigend zu leiden, haben viele Gemeinden eine praktische Lösung gefunden: Mediatoren, die zwischen den Streithähnen vermitteln. Diese geschulten Gesprächsmoderatoren helfen, Konflikte im Keim zu ersticken – oft mit erstaunlichem Erfolg.
Mehr Toleranz im Großen, weniger im Kleinen?Interessant ist, dass die Niederländer durchaus großzügig und weltoffen sind – in globalen Fragen, bei Flüchtlingen oder sozialen Themen. Doch im privaten Umfeld, direkt hinter der Haustür, scheint die Toleranz Grenzen zu haben. Vielleicht ist das aber auch nur ein Zeichen dafür, dass Nähe eben nicht immer einfach ist – selbst in einem Land, das für sein „leben und leben lassen“ bekannt ist.
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