Sunniten und die hanafitische Rechtstradition
Der Sunnismus gilt in der Religionswissenschaft oft als die größte Strömung des Islam. Innerhalb des Sunnismus existieren jedoch vier große Rechtsschulen, die unterschiedliche Interpretationen der religiösen Praxis bieten. Eine der einflussreichsten unter ihnen ist die hanafitische Rechtschule (Hanafi bzw. auf Türkisch Hanefi).
Die Frage, ob alle Sunniten zwangsläufig Hanafi sind, lässt sich verneinen: Während es weltweit auch schafiitische, malikitische und hanbalitische Sunniten gibt, ist die hanafitische Lehre regional sehr unterschiedlich stark vertreten. Ein prägnantes Beispiel ist die Türkei: Die große Mehrheit der dortigen sunnitischen Muslime folgt der hanafitischen Tradition, die bereits im Osmanischen Reich als offizielle Rechtsschule verankert war.
Die von dem Gelehrten Abu Hanifa im 8. Jahrhundert begründete Schule zeichnet sich historisch durch eine rationale Herangehensweise und die Berücksichtigung von lokalem Gewohnheitsrecht aus. Neben der Türkei ist sie heute vor allem auf dem Balkan, im Kaukasus sowie in Zentral- und Südasien weit verbreitet.
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