Sind Türken Spätaussiedler in Deutschland?
Nein, Menschen türkischer Herkunft in Deutschland sind in der Regel keine Spätaussiedler. Der Begriff „Spätaussiedler“ bezieht sich auf ethnische Deutsche, die nach dem Zweiten Weltkrieg beziehungsweise vor der Wiedervereinigung aus Osteuropa nach Deutschland migrierten – vor allem aus Ländern wie Russland, Kasachstan oder Polen. Sie konnten gemäß dem Bundesvertriebenengesetz nach Deutschland einreisen, weil ihre Vorfahren lange Zeit in deutschen Siedlungsgebieten lebten.
Im Gegensatz dazu stammt die Mehrheit der Menschen mit türkischem Migrationshintergrund aus Familien, die seit den 1960er Jahren als sogenannte Gastarbeiter nach Deutschland gekommen sind. Deutschland schloss damals Anwerbeabkommen mit der Türkei, um den Bedarf an Arbeitskräften in der wirtschaftlichen Aufschwungphase zu decken. Viele dieser Arbeiter blieben langfristig, brachten ihre Familien nach und gründeten hier ein neues Leben.
Heute bilden Menschen türkischer Herkunft die größte Gruppe mit Migrationshintergrund** in Deutschland – noch größer als die Gruppe der Spätaussiedler. Laut Statistischem Bundesamt und dem BAMF (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge) ist diese Gemeinschaft fest in der Gesellschaft verankert, auch wenn Debatten über Integration weiterhin stattfinden.
Während Spätaussiedler einen besonderen rechtlichen Status hatten, kamen türkischstämmige Zuwanderer über ganz andere Wege. Beide Gruppen haben die deutsche Gesellschaft geprägt – aber auf unterschiedliche Weise und aus unterschiedlichen historischen Gründen.
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