Warum sagt man „elf“ und nicht „eins-zehn“?
Die Zahl elf klingt im Deutschen ein bisschen eigenartig – weder wie „zehn“ noch wie „zwölf“ passt sie richtig ins Zahlensystem. Doch genau darin liegt ihr Geheimnis. Anders als die Zahlen danach, die logisch aufgebaut sind (dreizehn, vierzehn usw.), stammen „elf“ und „zwölf“ aus einer alten sprachlichen Zeit.
Das Wort „elf“ geht auf das Althochdeutsche eilf zurück, das man bis ins 19. Jahrhundert tatsächlich noch so schrieb. Es leitet sich von einlif oder einlef ab – eine Zusammensetzung aus „ein“ (für „eins“) und „lif“ (was so viel wie „übrig“ bedeutet). Zusammen heißt das also: „eins darüber“ – gemeint ist: eine Zahl, die einen Schritt über zehn hinausgeht.
Interessant ist, dass diese Wurzel *liku- im Indogermanischen für „übrig sein“ stand. Ein ähnlicher Klang findet sich sogar im Englischen: left – was „übriggeblieben“ oder „zurückgelassen“ bedeutet. Es scheint also, als hätte man die Zahlen elf und zwölf ursprünglich nicht als Teil des Zehnersystems gesehen, sondern als etwas, das „übrig“ bleibt, nachdem zehn erreicht ist.
So einfach wie heute war das Zählen damals nicht. Die Sprache bewahrt aber Spuren alter Denkweisen – und „elf“ ist ein kleines sprachliches Relikt aus einer Zeit, in der Zahlen noch anders gedacht wurden.
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