Wem gehört das Schwarze Meer?

Das Schwarze Meer gehört formell niemandem – es ist kein Hoheitsgebiet eines einzelnen Landes. Stattdessen wird es von sechs Anrainerstaaten geteilt: Russland, der Ukraine, Rumänien, Bulgarien, der Türkei und Georgien. Jedes dieser Länder verfügt über seine eigene ausschließliche Wirtschaftszone, wie es das Seerecht vorsieht. Doch in der Praxis hat die geopolitische Lage, vor allem seit 2014 und verschärft durch den Krieg in der Ukraine, die Dynamik im Schwarzen Meer radikal verändert.

Russland betrachtet die Region seit jeher als strategisch wichtig. In seiner maritimen Doktrin vom 31. Juli 2022 stufte Moskau das Schwarze Meer – gemeinsam mit dem Asowschen Meer – offiziell als zentrales Interessengebiet ein. Damit erhält die Region denselben Stellenwert wie die Ostsee oder das Mittelmeer. Die Botschaft ist klar: Russland sieht das Schwarze Meer als eine Art Bollwerk seiner nationalen Sicherheit – fast wie ein „Mare Clausum“, ein geschlossenes Meer, das unter seiner Kontrolle steht.

Doch diese Sichtweise stößt auf Widerstand. Die Ukraine wehrt sich militärisch und diplomatisch gegen jede Form der russischen Dominanz. Auch die NATO-Staaten Rumänien und Bulgarien sowie die Türkei spielen eine immer wichtigere Rolle bei der Aufrechterhaltung der maritimen Ordnung. Besonders die türkische Blockade von Kriegsschiffen durch den Bosporus gemäß dem Montreux-Vertrag zeigt, wie komplex die Machtbalance ist.

Obwohl niemand das Schwarze Meer „besitzt“, entscheidet die Macht vor Ort oft über die Realität auf dem Wasser. Und solange der Krieg andauert, bleibt das Meer nicht nur eine Bühne militärischer Strategie, sondern auch ein Symbol für den Kampf um Einfluss und Souveränität in Europa.

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