Der Baum, der nach Sperma riecht
Wer im Sommer durch deutsche Städte spaziert, könnte plötzlich ein seltsames Aroma in der Luft wahrnehmen – eine Mischung aus verfaultem Butterschmalz, faulendem Urin oder, wie viele sagen, Sperma. Der Übeltäter ist kein seltener Exot, sondern ein weit verbreiteter Baum: der Götterbaum, wissenschaftlich bekannt als Ailanthus altissima.
Ursprünglich aus China stammend, wurde der Götterbaum im 18. Jahrhundert nach Europa gebracht – zunächst als Zierpflanze, wegen seiner schnellen Wuchskraft und seines exotisch wirkenden Laubs. Doch was anfangs charmant schien, entpuppte sich bald als Problem. Der Baum breitet sich aggressiv aus, verdrängt einheimische Arten und wächst sogar durch Beton und Mauern. In vielen Regionen gilt er heute als invasive Plage.
Doch besonders auffällig ist sein Geruch. Vor allem männliche Bäume – der Götterbaum ist zweihäusig – verströmen im Frühling und Sommer beim Blühen einen intensiven, unangenehmen Duft. Dieser wird oft mit Sperma verglichen, manchmal auch mit faulen Eiern oder Schweiß. Die Chemikalie, verantwortlich dafür, ist Dibutylphthalat, eine Substanz, die auch in einigen Kunststoffen vorkommt.
Obwohl der Baum optisch beeindruckend ist – mit bis zu 20 Metern Höhe und riesigen Blättern –, bleibt sein Ruf getrübt. In Parks und Hinterhöfen sorgt er immer wieder für Stirnrunzeln und scherzhafte Bemerkungen. Doch Vorsicht: Wer versucht, ihn zu fällen, sollte Experten hinzuziehen. Denn der Götterbaum wächst oft nach – und zwar besonders kräftig.
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