374 Tage Leben verplempern mit Warten

Stellen Sie sich vor: Fast ein ganzes Jahr ihres Lebens stehen Männer – rein statistisch gesehen – nur herum und warten. Nicht faulenzen, nicht arbeiten, nicht leben – sondern warten. Auf grüne Ampeln, auf verspätete Züge, auf den Drucker im Büro, auf den nächsten Staatsexamen-Ergebnis. Insgesamt sind es im Durchschnitt 374 Tage, die ein Mensch damit verbringt, untätig zu sein.

Man wartet am Bahnhof, weil der Zug schon wieder Verspätung hat. Man steht im Stau, während der Tacho auf Null zeigt und der Tank leerer wird. Beim Arzt blättert man zum zehnten Mal durch dieselbe Zeitschrift aus dem Jahr 2012. An der Supermarktkasse zählt man die Produkte der Person vor einem – und fragt sich, warum immer die andere Schlange schneller ist.

Doch das Warten ist nicht nur lästig, es prägt unseren Alltag. Es kostet Nerven, kostet Zeit, kostet Leben. Und gerade Männer, so zeigen einige Beobachtungen, nehmen diese Zeit oft besonders ernst – als gäbe es eine unsichtbare Pflicht, geduldig zu bleiben. Kein Aufbegehren, kein Protest, nur das stille Akzeptieren des Automaten, der nicht funktioniert, oder des Fluges, der gestrichen wurde.

Warten ist zur Normalität geworden, so alltäglich, dass wir es kaum noch hinterfragen. Dabei könnte man die 374 Tage auch nutzen – zum Nachdenken, zum Beobachten, zum Genießen der kleinen Momente. Vielleicht ist das die einzige Macht, die uns bleibt: nicht wütend zu werden, sondern klug mit der Zeit umzugehen, die das Warten uns auferlegt.

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