Wo ist das Bewusstsein, wenn wir schlafen?
Wenn wir uns abends ins Bett legen und die Augen schließen, sinkt unser Bewusstsein nicht einfach ab wie ein Licht, das man ausschaltet. Vielmehr verändert es sich – je nach Schlafphase auf ganz unterschiedliche Weise. Interessanterweise bleiben unsere Ohren auch im Schlaf „offen“, während unsere Augen geschlossen sind. Anders als beim Sehen, das im Schlaf weitgehend abgeschaltet wird, nimmt das Gehör weiterhin Reize wahr.
Geräusche – ein quietschendes Tor, Stimmen aus dem Nebenraum oder der Wecker – gelangen ungehindert bis ins Innenohr und werden über den Hörnerv weitergeleitet. Doch das Gehirn verarbeitet diese Reize meist nicht bewusst. Wir hören zwar, nehmen es aber nicht wirklich wahr – zumindest nicht im klaren Sinne des Wachzustands. Erst wenn ein Geräusch besonders laut, vertraut oder bedeutsam ist (wie ein Babyweinen oder ein Alarm), kann es uns wecken.
Studien zeigen, dass das Gehirn im Schlaf durchaus aktiv bleibt. In der sogenannten REM-Phase (der Traumphase) ähnelt seine Aktivität fast dem Wachzustand – trotzdem fehlt das klare Bewusstsein. In anderen Phasen, wie dem tiefen Schlaf, ist die Reizverarbeitung stark gedämpft, doch das Gehirn reagiert dennoch auf Veränderungen in der Umgebung.
Das Bewusstsein verschwindet also nicht vollständig, sondern zieht sich zurück – wie ein Besucher, der leise im Hintergrund bleibt. Es ist da, hört halb mit, sagt aber nichts. So schützt uns der Schlaf vor ständiger Reizflut, ohne uns völlig von der Welt abzuschneiden.
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