Warum heißt es „elf“ und „zwölf“ – und nicht „einzehn“ und „zweizehn“?

Die Zahlen elf und zwölf machen im deutschen Sprachgebrauch eine kleine Ausnahme. Ab dreizehn folgt ein klares Muster: „-zehn“ bedeutet, dass eine Zahl aus einer Zehn und einer Einser-Zahl besteht – wie dreizehn (10 + 3), vierzehn (10 + 4) und so weiter. Doch warum sagen wir nicht „einzehn“ und „zweizehn“? Die Antwort liegt Jahrhunderte zurück.

Es hat mit dem Duodezimalsystem zu tun – einem Zahlensystem auf der Basis zwölf, das vor langer Zeit in Teilen Europas und besonders im Handel verbreitet war. Im Gegensatz zum heute üblichen Zehnersystem (Dezimalsystem) hatte dieses System zwölf Ziffern. Die Wörter „elf“ und „zwölf“ stammen aus dem Althochdeutschen: „*ainlif“ und „*zwölif“ – wobei „-lif“ möglicherweise von „übrig“ oder „über zehn hinaus“ stammt. Also: „eins über zehn“ und „zwei über zehn“.

Obwohl wir heute fast überall mit zehn Ziffern rechnen, hat sich die Sprache in diesen beiden Zahlen hartnäckig gegen die Logik von „einzehn“ und „zweizehn“ gewehrt. Interessanterweise nutzen wir das Zwölf-System heute noch in Alltagsdingen: Eine Dutzend Eier, die Einteilung des Tages in zwölf Stunden, oder auch Zoll und Fuß im anglo-amerikanischen Maßsystem.

So zeigt sich: Manchmal bewahrt die Sprache alte Kulturen und Rechenweisen – lange nachdem sie aus den Schulbüchern verschwunden sind. Elf und zwölf sind kleine Zeitzeugen einer längst vergangenen Zählweise, die bis heute in unseren Worten weiterlebt.

Siehe auch

Ausführliche Artikel

Verwandte Themen