Der ewige Zweifelsfall: „am Montag, dem“ oder „am Montag, den“?

Einleitung und sprachliche Relevanz

Die deutsche Sprache ist bekannt für ihre Detailgenauigkeit, ihre facettenreiche Grammatik und gelegentlich auch für Stolpersteine, die selbst erfahrene Autorinnen und Autoren ins Grübeln bringen. Einer der beharrlichsten und am häufigsten diskutierten Zweifelsfälle im Alltag betrifft die korrekte Formulierung von Datumsangaben in Kombination mit Wochentagen. Wer einen Termin planen, eine Einladung schreiben oder einen offiziellen Brief verfassen möchte, steht unweigerlich vor der Frage: Heißt es nun „am Montag, dem 5. Mai“ oder „am Montag, den 5. Mai“?

Diese scheinbar kleine Unstimmigkeit bei der Wahl zwischen dem Dativ („dem“) und dem Akkusativ („den“) sorgt regelmäßig für Verwirrung. In Schulaufsätzen wird sie angestrichen, in Geschäftskorrespondenzen uneinheitlich gehandhabt und in Ratgebern für gutes Deutsch heiß diskutiert. Um Licht in dieses grammatikalische Dunkel zu bringen, lohnt sich ein genauer Blick auf den Aufbau unseres Satzbaus, die Rolle von Präpositionen und die historischen Entwicklungen der deutschen Syntax.

Grammatikalische Grundlagen: Der Kasus und seine Begründung

Um die richtige Entscheidung zwischen „dem“ und „den“ treffen zu können, muss man sich zunächst vergegenwärtigen, wie eine solche Datumsangabe grammatikalisch strukturiert ist. In dem Ausdruck „am Montag, dem oder den 5. Mai“ haben wir es mit einer zeitlichen Bestimmung (einer temporalen Angabe) zu tun, die einen exakten Zeitpunkt benennt.

Das kleine Wort „am“ ist eine Verschmelzung aus der Präposition „an“ und dem bestimmten Artikel „dem“ (an + dem = am). Die Präposition „an“ verlangt in diesem Kontext den Dativ, da sie einen festen Zeitpunkt oder Ort beschreibt („Wann?“ – am Montag). Der Wochentag „Montag“ steht hier also unweigerlich im Dativ.

Wenn nun ein genauer Kalendertag folgt – beispielsweise der 5. Mai –, fungiert dieser sprachlich oft als sogenannte Apposition (als Beisatz). Eine Apposition hat die Aufgabe, das vorher genannte Substantiv (hier den Montag) näher zu präzisieren oder zu erklären. Nach den strengen Regeln der traditionellen deutschen Grammatik passt sich eine Apposition in ihrem Fall (Kasus) dem Bezugswort an. Da das Bezugswort „dem Montag“ im Dativ steht, müsste folgerichtig auch der Beisatz im Dativ stehen. Das führt zu der klassischen und grammatikalisch hergeleiteten Variante: „am Montag, dem 5. Mai“.

Warum Sprachbewusste den Dativ vorziehen

In der Grammatik gilt die Regel der Kasuskongruenz: Eine Apposition (Beisatz) übernimmt den Fall ihres Bezugsworts.

  • Präposition mit Dativ: Durch die Verbindung aus an + dem fordert die Präposition am zwingend den Dativ.

  • Schlussfolgerung: Da der Wochentag im Dativ steht (am Montag), verlangt die streng grammatische Logik auch für die nachfolgende Apposition den Dativ (dem 15. Oktober).

Aus diesem Grund bevorzugen Stilratgeber und Redaktionen die Variante „am Montag, dem…“. Sie gilt als linguistisch sauberer und eleganter.

Und woher stammt das hartnäckige „den“?

Dass sich „am Montag, den…“ im allgemeinen Sprachgebrauch festgesetzt hat, liegt an zwei Einflüssen:

  1. Der akkusativische Sprachgebrauch ohne Präposition: Fällt das am weg, greift automatisch der Akkusativ. Ein Briefkopf oder eine Einladung lautet klassischerweise: „Montag, den 15. Oktober“ (abgeleitet von Wendungen wie „Wir schreiben den…“).

  2. Übertragung auf die Präpositionalphrase: Diese akkusativische Form wird im Alltag oft fälschlicherweise auf Sätze mit am übertragen. Das Sprachgefühl deutet den Monatstag dann nicht als Beisatz im Dativ, sondern als isolierte, formelhafte Datumsangabe im Akkusativ.

Kommasetzung bei Datumsangaben

Ein oft übersehener Punkt ist die korrekte Satzzeichensetzung. Folgt das Datum auf den Wochentag, handelt es sich um eine mehrteilige Zeitangabe:

  • Pflichtkomma vor dem Datum: Nach dem Wochentag muss immer ein Komma gesetzt werden.

  • Optionale Schließung: Wird der Satz nach dem Datum fortgeführt, ist das zweite Komma laut Duden freigestellt.

Beispiel:

„Wir treffen uns am Montag, dem 15. Oktober**,** um 10 Uhr.“ (mit schließendem Komma)

„Wir treffen uns am Montag, dem 15. Oktober um 10 Uhr.“ (ohne schließendes Komma)

Fazit für die Praxis

In der deutschen Rechtschreibung lässt der Duden beide Varianten zu: „am Montag, dem 15. Oktober“ sowie „am Montag, den 15. Oktober“ sind formal korrekt.

Wer jedoch in Korrespondenz, wissenschaftlichen Arbeiten oder im Journalismus einen tadellosen und stilistisch sauberen Ausdruck anstrebt, wählt konsequent den Dativ (dem). Ohne die Präposition am gilt hingegen ausnahmslos der Akkusativ (den).