Ist ME/CFS eine Autoimmunerkrankung?

Das Chronische Fatigue-Syndrom (ME/CFS) stellt die Medizin seit Jahrzehnten vor große Rätsel. Die Forschung der letzten Jahre deutet jedoch immer klarer darauf hin, dass es sich bei ME/CFS um eine schwere organische Erkrankung handelt, bei der das Immunsystem eine zentrale Rolle spielt. Viele Experten stufen das Krankheitsbild mittlerweile als komplexe Autoimmunerkrankung ein.

Ein entscheidender Schlüssel zum Verständnis der Ursachen liegt in der Krankengeschichte der Betroffenen. Bei rund zwei Dritteln aller Patienten lässt sich eine vorangegangene virale Infektion als eindeutiger Auslöser identifizieren. Typische Beispiele hierfür sind das Epstein-Barr-Virus (Pfeiffersches Drüsenfieber), Influenza oder auch Coronaviren (SARS-CoV-2), woraus sich oft das Krankheitsbild Long COVID entwickelt.

Die aktuelle Hypothese besagt, dass die virale Infektion das Immunsystem nachhaltig aus dem Gleichgewicht bringt. Statt nach dem Abklingen der Infektion zur Normalität zurückzukehren, verbleibt die Immunabwehr in einem Zustand der chronischen Aktivierung. Dabei kommt es vermutlich zur Bildung von Autoantikörpern, die sich gegen körpereigene Strukturen – wie das Nervensystem oder die Blutgefäße – richten. Dies erklärt auch die massiven Durchblutungsstörungen und den gestörten Energiestoffwechsel der Zellen, die für die extreme, langanhaltende Erschöpfung (Fatigue) verantwortlich sind.

Obwohl die Hinweise erdrückend sind, bleibt ME/CFS im Gesundheitssystem oft unterdiagnostiziert. Die Anerkennung als autoimmune und neuroimmunologische Erkrankung ist jedoch essenziell, um endlich gezielte Therapien und Biomarker für die Betroffenen zu erforschen.

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