Kann Kaffee morgens müde machen?

Es klingt paradox: Man trinkt morgens Kaffee, um wach zu werden – und fühlt sich danach trotzdem schlapp. Doch die Antwort liegt in der Biochemie unseres Körpers.

Unsere Müdigkeit wird durch einen Botenstoff namens Adenosin gesteuert. Im Laufe des Tages steigt dessen Spiegel im Gehirn – das Signal: Es wird Zeit zum Ausruhen. Koffein aus dem Kaffee hat eine ähnliche Molekularstruktur wie Adenosin und kann deshalb dieselben Rezeptoren im zentralen Nervensystem besetzen. Allerdings aktiviert es sie nicht, sondern blockiert sie. Dadurch wird das Müdigkeitssignal vorübergehend unterbunden – wir fühlen uns wacher, konzentrierter, fitter.

Doch warum fühlen sich manche trotzdem müde?

Der Effekt des Koffeins ist nur vorübergehend. Wenn die Wirkung nachlässt – was je nach Stoffwechsel nach drei bis sechs Stunden passieren kann – bricht der aufgestaute Adenosin-Spiegel plötzlich wieder durch. Die Müdigkeit kehrt dann oft stärker zurück, besonders wenn der Körper ohnehin Schlaf nachholen möchte. Auch ein zu früher Kaffeegenuss direkt nach dem Aufstehen kann kontraproduktiv sein: Der Körper produziert morgens natürlicherweise Cortisol, ein Wachmachhormon. Wer dann zusätzlich Koffein zuführt, kann den natürlichen Rhythmus stören und später stärkere Ermüdung erfahren.

Zudem spielt die Ernährung eine Rolle: Ein üppiges Frühstück mit viel Zucker nach dem Kaffee kann den Blutzuckerspiegel kurzfristig ansteigen – und danach abrupt fallen lassen. Das führt schnell zu Erschöpfung.

Kaffee macht also nicht direkt müde – aber wie wir ihn nutzen, entscheidet darüber, ob er uns wirklich wach hält oder nur für kurze Zeit täuscht.

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