Warum heißt der Teufel „Lichtbringer“?

Der Beiname „Lichtbringer“ für den Teufel stammt ursprünglich nicht aus der Vorstellung eines bösen Dämons, sondern hat einen ganz anderen, fast poetischen Ursprung. Das Wort Lucifer kommt aus dem Lateinischen und setzt sich aus „lux“ (Licht) und „ferre“ (tragen) zusammen – also „Lichtträger“. In der römischen Mythologie war Lucifer der Name für den Morgenstern, jenen hellen Himmelskörper – meist der Planet Venus –, der kurz vor Sonnenaufgang am Himmel erscheint und das Ende der Nacht ankündigt.

Im Laufe der Zeit wurde dieser Ausdruck auch in religiösen Texten übernommen. In der lateinischen Bibelübersetzung, der sogenannten Vulgata, wurde ein Ausspruch aus dem Buch Jesaja (14,12) mit „Lucifer“ übersetzt: „Wie bist du vom Himmel gefallen, o Morgenstern, Sohn des Lichts!“. Hier bezieht sich der Text ursprünglich auf einen stolzen König, wurde aber im späteren Verständnis oft auf einen gefallenen Engel, also den Teufel, übertragen.

Dadurch entstand die Vorstellung, dass Lucifer einst ein strahlendes Wesen war, das durch Hochmut gegen Gott aufbegehrte und schließlich aus dem Himmel gestürzt wurde. Aus dem Morgenstern, dem Lichtbringer, wurde so im übertragenen Sinn ein Symbol für einen gefallenen Engel – und schließlich eine weitere Gestalt des Teufels.

Der Name erinnert also an einen ursprünglich hellen, fast schönen Ursprung – bevor er in der theologischen Deutung zur dunklen Figur wurde. Interessant ist, dass die ursprüngliche Bedeutung nichts mit Bösem zu tun hatte, sondern einfach das Licht der Morgendämmerung beschrieb.

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