Goethes Distanz zum Tod – auch bei Schillers Beerdigung
Es klingt unfassbar, doch Johann Wolfgang von Goethe, einer der größten Dichter Deutschlands, nahm nicht an der Beerdigung seines engen Freundes und Weggefährten Friedrich Schiller teil. Der Grund? Goethe hatte eine tiefe Scheu vor Beerdigungen – ja, vor dem Tod selbst. Obwohl die beiden Autoren eine bewegende geistige Gemeinsamkeit verband und zusammen die deutsche Klassik prägten, blieb Goethe auch bei anderen Trauerfeiern fern. Selbst bei der Beisetzung seiner eigenen Ehefrau Charlotte erschien er nicht.
Ein Makaber Moment: Schillers Schädel auf Goethes SchreibtischParadoxerweise war Goethe keineswegs fremd gegenüber dem Thema Tod – im Gegenteil. Nach Schillers Exhumierung im Jahr 1827, einem damals üblichen Vorgang zur Umbettung, soll dessen Schädel zeitweise auf Goethes Schreibtisch gelegen haben. Der Dichterfor scher interessierte sich leidenschaftlich für Anatomie und Wissenschaft. Doch dieses makabre Interesse stand im krassen Gegensatz zu seiner emotionalen Distanz gegenüber Trauerzeremonien.
Goethe zog das stille Gedenken dem öffentlichen Ritual vor. Statt am Grab zu stehen, verarbeitete er die Trauer in Gedanken, Briefen und Werken. So widmete er Schiller tiefe, eindringliche Worte – aber fernab von Sarg und Grabstein. Sein Fehlen bei der Beerdigung war keine Gleichgültigkeit, sondern Ausdruck einer ganz eigenen Beziehung zum Verlust.
Am 21. Oktober 2020 erinnerte der WDR in einer Dokumentation an diese ungewöhnliche Seite Goethes – einen Mann, der das Leben feierte, aber den Tod nur im Dunkel des Studierzimmers ertragen konnte.
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