Wie das Christkind entstand

Die Vorstellung des Christkinds geht auf den Reformator Martin Luther zurück. In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts suchte er nach Wegen, die katholischen Heiligen und Bräuche durch protestantisch geprägte Traditionen zu ersetzen. Besonders der Nikolaus, der am 6. Dezember Geschenke brachte, stieß bei ihm auf Kritik. Luther hielt solche Bräuche für überkommene „Fastnachts-Narrheiten“ und wollte stattdessen die Geburt Jesu in den Mittelpunkt rücken.

Daher schlug er ein neues Symbol vor: das Christkind – ein kindlicher, engelhafter Bote, der am Heiligen Abend, dem 24. Dezember, die Geschenke bringt. Damit sollte deutlich werden, dass Weihnachten nicht dem Heiligen gewidmet ist, sondern dem „Heiligen Kind“ in der Krippe. Der Gedanke verbreitete sich vor allem in evangelischen Regionen Deutschlands und verdrängte dort den Nikolaus als Gabenbringer.

Über die Jahrhunderte entwickelte sich das Erscheinungsbild des Christkinds: Anfangs oft als kindlicher Jesus dargestellt, wurde es später meist als mädchenhafter, goldgelockter Engel mit Flügeln und Glorienschein gezeigt – besonders populär gemacht durch die Gedichte von Clemens Brentano und die Illustrationen des 19. Jahrhunderts.

Heute ist das Christkind in vielen deutschen Haushalten fest verankert, auch jenseits konfessioneller Grenzen. In Städten wie Nürnberg wird es sogar jährlich neu „gekürt“. Dabei bleibt es eine liebevoll-mythologische Figur, die den Zauber der Weihnachtszeit verkörpert – ganz im Sinne Luthers ursprünglicher Idee, das wahre Zentrum der Feier zu betonen.

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