Warum Bier im Norden eigentlich Öl heißt

Wer im Skandinavien-Urlaub ein kühles Blondes bestellen möchte, schaut auf der Speisekarte oft vergeblich nach vertrauten Begriffen. In den nordgermanischen Sprachen Schwedisch, Dänisch, Norwegisch und Isländisch heißt Bier nämlich schlicht Øl oder Öl. Was für deutsche Ohren zunächst nach Schmierstoff für den Motor klingt, hat eine jahrhundertealte linguistische Tradition und bezeichnete ursprünglich ganz einfach ein braufrisches, gegorenes Getränk.

Besonders beim Blick ins schwedische Regal begegnet man häufig dem Wort starköl. Wörtlich übersetzt bedeutet das zwar Starkbier, mit einem Alkoholgehalt von etwa fünf Prozent entspricht es jedoch schlicht unserem klassischen Vollbier oder Export. Der Begriff ist somit eine charmante, leicht euphemistische Bezeichnung der Schweden für ihr ganz normales Alltagsbier.

Die sprachliche Trennung ist historisch spannend: Während sich im deutschsprachigen Raum das Wort Bier vermutlich vom lateinischen bibere für trinken ableitete, hat sich im Norden die alte germanische Wurzel erhalten. Wer in Stockholm oder Kopenhagen ein Öl bestellt, bekommt also keineswegs flüssiges Fett, sondern ein ehrliches Stück nordischer Braukultur.

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