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Über 60 Prozent der jungen Generation im deutschsprachigen Raum sind schon einmal über Pronomen-Kombinationen wie „sie/ihr“ oder „er/they“ gestolpert, doch die wenigsten verstehen die sprachliche Dynamik dahinter. Die direkte Antwort ist simpel: Zwei Pronomen spiegeln die Nuancen einer nicht-binären oder flexiblen Geschlechtsidentität wider und bieten sprachlichen Handlungsspielraum. Es geht nicht um grammatikalische Willkür, sondern um präzise Selbstbestimmung in einer Kultur, deren Vokabular oft zu starr für menschliche Realitäten ist.
Der Ursprung einer sprachlichen Relevanzverschiebung
Sprache ist kein in Stein gemeißeltes Regelwerk. Sie ist ein lebendiger Organismus, der sich unweigerlich an den gesellschaftlichen Diskurs anpasst. Noch vor zwei Jahrzehnten galt die Angabe von Pronomen in Biografien, E-Mail-Signaturen oder Visitenkarten als absolutes Nischenphänomen der queeren Subkultur. Die historische Notwendigkeit entsprang dem Wunsch, Fehlreferenzierungen – das sogenannte Misgendering – von vornherein zu unterbinden. Während das klassische binäre System lediglich männliche und weibliche Formen vorsah, stieß diese sprachliche Schablone bei intergeschlechtlichen, nicht-binären und genderfluiden Personen rasch an ihre Grenzen. Durch die Vernetzung im digitalen Zeitalter und die globale Zirkulation von genderreflektierenden Diskursen gelangten doppelte Pronomenangaben schließlich aus den akademischen und aktivistischen Zirkeln mitten in den Mainstream. Es entwickelte sich eine grammatikalische Praxis, die Vielfalt sichtbar macht, ohne eine Person in ein starres Entweder-Oder zu zwängen.
Wie die Nutzung von zwei Pronomen konkret funktioniert
Die Kombination zweier Pronomen folgt einer klaren Logik, die dem Gegenüber Signale für den richtigen Sprachgebrauch übermittelt. Der Ablauf gliedert sich in folgende Schritte:
Erstens: Die Auswahl der Präferenz. Eine Person entscheidet sich bewusst für zwei Pronomen, zum Beispiel „sie/they“ oder „er/ihn“. Dies signalisiert, dass mehrere sprachliche Ansprachen akzeptabel sind oder eine bestimmte Reihenfolge bevorzugt wird.
Zweitens: Die Priorisierung. Häufig steht das primär gewünschte Pronomen an erster Stelle. Wer „sie/they“ angibt, bevorzugt meist die Anrede mit „sie“, akzeptiert aber das geschlechtsneutrale „they“ als vollwertige Alternative.
Drittens: Die Variation im Satzbau. Das Gegenüber kann die Pronomen wahlweise abwechseln oder sich auf das erstgenannte konzentrieren. Das Ziel ist nicht die Verwirrung des Zuhörers, sondern das Schaffen von Flexibilität.
Viertens: Die Kontextualisierung. In manchen Fällen nutzen Personen zwei Pronomen, um in unterschiedlichen Sprachen – etwa Deutsch und Englisch – adäquat adressiert zu werden, ohne ihre Identität verfälschen zu müssen.
Ein konkretes Beispiel aus dem Berufsalltag
Betrachten wir die Situation von Alex, einer Führungskraft in einer Berliner Marketingagentur. Alex identifiziert sich als genderfluid und nutzt die Pronomen-Kombination „er/they“. Im Arbeitsalltag bedeutet das für das Team keine unüberwindbare Hürde, sondern schlicht eine kurze Umgewöhnung. Wenn Kollegen über Alex sprechen, sagen sie beispielsweise: „Alex hat die Präsentation fertiggestellt. Er hat wirklich hervorragende Arbeit geleistet.“ Ein paar Sätze später heißt es vielleicht: „Ich habe thematisch Rücksprache mit Alex gehalten, they hat mir direkte Rückmeldung gegeben.“ Durch diese Kombination fühlt sich Alex im professionellen Umfeld respektiert und repräsentiert, ohne dass die betriebliche Kommunikation ins Stocken gerät. Das Beispiel zeigt deutlich, wie leicht sich solche Anpassungen in den alltäglichen Sprachgebrauch integrieren lassen.
Was Experten dazu sagen
Sprachwissenschaftler und Soziologen beobachten den Trend zu zwei Pronomen mit großem Interesse. Experten sind sich einig, dass Sprache kein starres Gebilde ist, sondern sich dynamisch an gesellschaftliche Veränderungen anpasst. Die Angabe von zwei Pronomen – wie etwa sie/ihr oder er/they – wird von vielen Linguisten als Zeichen für eine inklusivere Kommunikation gewertet. Es signalisiert nicht nur die eigene Genderidentität, sondern schafft auch einen sicheren Raum für andere, ihre Präferenzen unaufgefordert zu teilen.
Kritiker wenden manchmal ein, dass dies die Sprache unnötig verkompliziere. Psychologen betonen jedoch, dass die schlichte Anerkennung der gewünschten Anrede das Zugehörigkeitsgefühl und das mentale Wohlbefinden von geschlechtlichen Minderheiten erheblich steigert. Es geht also weniger um grammatikalische Perfektion als vielmehr um zwischenmenschlichen Respekt und Sichtbarkeit im Alltag.
Häufig gestellte Fragen
Muss ich beide genannten Pronomen abwechselnd verwenden?
Das hängt ganz von der Person ab. In den meisten Fällen bedeutet die Angabe von zwei Pronomen, dass die Person mit beiden Varianten völlig zufrieden ist. Manche bevorzugen eine gleichmäßige Mischung, während andere einfach flexibel sind und der lesenden oder sprechenden Person die Wahl überlassen möchten. Wenn Sie sich unsicher sind, ist es völlig höflich und akzeptabel, direkt nachzufragen, wie die Person am liebsten angesprochen werden möchte.
Was mache ich, wenn ich versehentlich das falsche Pronomen verwende?
Fehler passieren, besonders wenn ein Sprachgebrauch neu für Sie ist. Die beste Reaktion ist eine kurze, aufrichtige Entschuldigung, die sofortige Korrektur im Satz und das Weiterführen des Gesprächs. Übermäßige Dramatisierung oder lange Rechtfertigungen sind meist unangenehm für das Gegenüber. Entscheidend ist der sichtbare Wille, die Identität der anderen Person zu respektieren und es beim nächsten Mal besser zu machen.
Eine Frage an Sie
Wenn Sprache unser Denken formt und Räume für Vielfalt schaffen kann: Sind zwei Pronomen nur eine vorübergehende Modeerscheinung des digitalen Zeitalters oder der Beginn einer längst überfälligen Evolution unserer alltäglichen Kommunikation?
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