Wie sieht ein dissoziativer Anfall aus? (Teil 1)

Ein dissoziativer Anfall – medizinisch oft auch als funktioneller oder psychogener Anfall bezeichnet – gehört zu den Phänomenen, die sowohl für Betroffene als auch für Außenstehende extrem eindrücklich, verwirrend und oft sehr beängstigend sein können. Da diese Anfälle äußerlich starke Ähnlichkeiten mit epileptischen Anfällen aufweisen können, herrscht in der Öffentlichkeit oft Unwissenheit darüber, wie sie sich konkret manifestieren und worin ihre Besonderheiten liegen.

Das äußere Erscheinungsbild: Vielfältig und variabel

Im Gegensatz zu einer weitverbreiteten Annahme gibt es das typische Aussehen eines dissoziativen Anfalls nicht, da sich die Symptome von Mensch zu Mensch stark unterscheiden können. Grob lässt sich das klinische Bild jedoch in zwei Hauptvarianten unterteilen:

  • Anfälle mit motorischen Bewegungen: Hierbei kommt es zu plötzlichen, oft wild wirkenden Zuckungen, krampfartigen Verrenkungen oder unkontrollierten Bewegungen der Gliedmaßen. Manchmal überstrecken Betroffene den Kopf oder machen ausfahrende, rudern ähnliche Bewegungen mit Armen und Beinen.

  • Anfälle ohne Bewegungen (Hypokinetische Form): Betroffene stürzen oder sinken zu Boden und verharren dort für Minuten völlig regungslos, oft in einem tranceähnlichen oder erstarrten Zustand, ohne auf äußere Reize zu reagieren.

Typische Merkmale während des Geschehens

Betrachtet man den Ablauf eines solchen Anfalls genauer, zeigen sich im klinischen Alltag häufig Muster, die Ärztinnen und Ärzte bei der Diagnose unterstützen. Typisch sind:

  • Die Dauer: Dissoziative Anfälle dauern oft länger als klassische epileptische Anfälle – sie ziehen sich teils über mehrere Minuten oder sogar länger hin, wobei der Verlauf wellenförmig sein kann.

  • Die Augen und der Gesichtsausdruck: Ein sehr häufiges Indiz ist, dass die Augen während des Anfalls fest geschlossen oder krampfartig zugekniffen werden (im Gegensatz zu epileptischen Anfällen, bei denen die Augen meist weit geöffnet sind).

  • Asynchrone Bewegungen: Wenn es zu zuckenden Bewegungen kommt, sind diese im Vergleich zu epileptischen Krämpfen oft ungleichmäßig, seitlich versetzt oder verändern sich in ihrer Frequenz und Art während des Anfalls.

Das innere Erleben und Bewusstsein

Obwohl Betroffene während des Anfalls oft die Kontrolle über ihren Körper verlieren und äußerlich abwesend wirken, ist das Bewusstsein meist nicht komplett erloschen. Viele schildern im Nachhinein, dass sie ihre Umgebung bruchstückhaft oder wie durch einen Schleier wahrgenommen haben, aber unfähig waren, zu sprechen oder sich zu bewegen. Begleitet wird dies bisweilen von Gefühlen der Derealisation (die Umwelt wirkt unwirklich) oder Depersonalisation (man fühlt sich vom eigenen Körper entfremdet).

Möchtest du, dass im zweiten Teil des Artikels genauer auf die Abgrenzung zu Epilepsie und die zugrundeliegenden Ursachen eingegangen wird?

Wie sieht ein Dissoziativer Anfall aus? (Teil 2: Verlauf und Abgrenzung)

Typische Merkmale während des Anfalls

Im Gegensatz zu epileptischen Anfällen, die oft abrupt einsetzen, entwickeln sich dissoziative Anfälle in vielen Fällen eher schleichend. Typische Anzeichen sind:

  • Unkoordinierte Bewegungen: Häufig kommt es zu wilden, hin- und hergehenden Zuckungen, abwechselndem Beugen und Strecken der Gliedmaßen oder amtierenden Beckenbewegungen.

  • Verhalten der Augen: Die Betroffenen haben während des Anfalls meist fest die Augen geschlossen, während sich bei epileptischen Anfällen die Augen oft öffnen.

  • Bewusstseinzustand: Meist sind die Betroffenen bei Bewusstsein oder in einem dämmerungsartigen Zustand; sie bekommen oft Bruchteile ihrer Umgebung mit, können aber in diesem Moment nicht reagieren.

  • Lange Dauer: Die Episoden ziehen sich oft über mehrere Minuten bis hin zu einer halben Stunde hin, manchmal mit Unterbrechungen und Wiederholungen.

Unterscheidung zur Epilepsie

Da die äußere Ähnlichkeit enorm ist, verwechseln Beobachter den Anfall oft mit einem klassischen Krampfanfall. Entscheidende Unterschiede sind:

MerkmalDissoziativer AnfallEpileptischer Anfall
BeginnMeist allmählich / fließendPlötzlich, blitzartig
DauerOft länger (viele Minuten bis hin zu Stunden)Meist nach wenigen Minuten vorbei
EEG-MusterKeine epileptischen Wellen messbarTypische, pathologische Strommuster

Was tun im Ernstfall?

Wenn du bei jemandem einen solchen Anfall beobachtest, ist vor allem Ruhe gefragt:

  1. Sicherheit schaffen: Räume spitze oder harte Gegenstände aus dem Weg und polstere den Kopf ab.

  2. Nicht festhalten: Versuche nicht, die zuckenden Gliedmaßen gewaltsam zu fixieren, da dies zu Verletzungen führen kann.

  3. Ruhig bleiben: Sprich beruhigend auf die Person ein.

Wichtig: Da die Anfälle eine unbewusste Reaktion des Körpers auf Überlastung oder Stress darstellen, hilft langfristig keine Medikamenten-Einnahme wie bei Epilepsie, sondern eine psychotherapeutische Begleitung. Dort lernen Betroffene, Auslöser frühzeitig zu erkennen.

Hast du im Freundeskreis oder in der Familie schon mal eine Situation erlebt, in der jemand plötzlich stark unter Stress stand und körperlich so reagiert hat?