Der Rosenkranz in der orthodoxen Tradition

Wer an den Rosenkranz denkt, hat meist die katholische Kirche vor Augen. Doch auch in der orthodoxen Kirche besitzt die Gebetskette eine tief verwurzelte, jahrhundertealte Tradition. Zwar erfüllt sie einen ähnlichen Zweck als spirituelle Orientierungshilfe, unterscheidet sich jedoch in Form und Praxis grundlegend vom westlichen Vorbild.

Im orthodoxen Christentum wird die Gebetskette meist als Tschotki (im slawischen Raum) oder Komboskini (im Griechischen) bezeichnet. Sie besteht traditionell nicht aus Holz- oder Glasperlen, sondern aus eng geknüpften Wollknoten. Ursprünglich von den Wüstenvätern und Mönchen entwickelt, diente die Schnur als praktische Hilfe, um Gebete ohne ablenkendes Mitzählen im Geist zu wiederholen.

Der inhaltliche Schwerpunkt unterscheidet sich ebenfalls: Während der katholische Rosenkranz vor allem marianisch geprägt ist, dient die orthodoxe Kette als Zählkette für das Jesusgebet („Herr Jesus Christus, Sohn Gottes, erbarme dich meiner“). Ziel dieses stetigen Wiederholens ist die innere Einkehr und das ununterbrochene Gebet des Herzens.

Heute ist das Komboskini keineswegs nur Klerikern vorbehalten. Viele Gläubige tragen die geknüpfte Schnur am Handgelenk, um sich auch im hektischen Alltag an die Ausrichtung auf Gott zu erinnern.

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