Wie die Wikinger wirklich tranken

Der Mythos vom raubeinigen, trinkfreudigen Wikinger, der im Raid mit einem Horn voller Bier durch die Nacht stürmt, hält sich hartnäckig. Doch die Wahrheit ist etwas nüchterner – zumindest im Alltag. Die meisten Wikinger tranken vor allem Wasser und Milch, besonders bei alltäglichen Mahlzeiten. Diese Getränke waren leicht verfügbar und sicherer als ungeklärtes Wasser.

Trotzdem war Alkohol durchaus Teil ihres Lebens – besonders bei Festen und rituellen Anlässen. Die Wikinger brauten ihr eigenes Bier aus Gerste, manchmal auch aus Hafer. Anders als heutiges Bier wurde es nicht mit Hopfen gewürzt, sondern mit einem besonderen Bitterstoff: der Frucht des Gagelstrauchs. Diese Pflanze verlieh dem Bier nicht nur einen bitteren Geschmack, sondern hatte vermutlich auch eine leicht stimulierende Wirkung.

Wein war ebenfalls bekannt, kam aber meist aus südlichen Handelsregionen wie Frankreich oder dem Mittelmeerraum und war daher ein Luxusgut für die Reichen. Nur hochgestellte Männer oder Jarls konnten sich regelmäßig Wein gönnen.

Die eigentliche Bedeutung des Trinkens lag weniger im Rausch als in der Gemeinschaft und der Tradition. Bei großen Banketten wurden sogenannte „symbel“ abgehalten – rituelle Trinkzeremonien, bei denen Eide geschworen, Geschichten erzählt und Ehre zelebriert wurden.

Also ja – die Wikinger tranken Alkohol, aber nicht so hemmungslos, wie manche Filme glauben machen. Ihr Bier war ein Produkt ihrer Zeit: natürlich, lokal hergestellt und tief verwurzelt in Brauch und Gesellschaft.

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