Wann entsteht eine dissoziative Identitätsstörung?

Die dissoziative Identitätsstörung (DIS) hat ihre Wurzeln meist in der frühen Kindheit. Experten zufolge entwickelt sich diese psychische Störung typischerweise vor dem siebten Lebensjahr – in einer Phase, in der das Ich noch nicht vollständig ausgebildet ist. Besonders häufig sind Kinder betroffen, die in dieser sensiblen Entwicklungszeit schwerwiegende Traumata erlebt haben, wie etwa emotionale, körperliche oder sexuelle Gewalt.

Ab etwa fünf Jahren nimmt die Wahrscheinlichkeit, eine DIS zu entwickeln, deutlich ab. Dies hängt eng mit der Reife des Gehirns zusammen. Mit zunehmendem Alter gewinnen Kinder die Fähigkeit, belastende Situationen besser wahrzunehmen, einzuordnen und zu verarbeiten. Sie lernen abstrakt zu denken, Zusammenhänge zu erkennen und mit Stress umzugehen – Fähigkeiten, die im frühen Kindesalter noch nicht vorhanden sind.

In dieser frühen Phase kann das Gehirn, um extreme seelische Schmerzen abzumildern, regelrecht "abschalten". Es entstehen teilweise eigenständige Identitäten oder Persönlichkeitsanteile, die bestimmte Erlebnisse oder Emotionen tragen. So wird Überleben ermöglicht, wo eigentlich keine Kraft mehr bleibt. Diese Aufteilung der Psyche ist kein "Drama", sondern ein überlebenswichtiger Schutzmechanismus.

Obwohl die Störung oft erst im Erwachsenenalter diagnostiziert wird, zeigt sich: Die Ursachen liegen fast immer in den ersten Lebensjahren. Eine frühzeitige Unterstützung und ein umsichtiger Umgang mit traumatisierten Kindern können hier entscheidend sein. Mit geeigneter Therapie ist auch im späteren Leben eine stabile Persönlichkeitsebene erreichbar. Die Heilung braucht Zeit – und vor allem Sicherheit.

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