Spaltungen der Psyche: Wann Menschen sich ihrer Identität nicht bewusst sind

Dissoziative Identitätsstörung ist eine seltene, aber tiefgreifende psychische Erkrankung, bei der eine Person mehrere unterschiedliche Identitäten oder Persönlichkeitszustände entwickelt. Diese können sich in Verhalten, Stimme, und sogar in der Art, wie sie die Welt wahrnehmen, deutlich voneinander unterscheiden.

Ein zentrales Merkmal dieser Störung ist die fehlende Erinnerung an bestimmte Lebensabschnitte. Die betroffene Person erlebt sogenannte Gedächtnislücken – Momente, in denen sie zwar physisch anwesend war, sich aber an nichts erinnern kann. Diese Lücken entstehen, weil eine andere Identität gerade „die Kontrolle hatte“, ohne dass das Haupt-Ich davon weiß.

Die meisten Betroffenen sind sich ihrer Dissoziation lange Zeit nicht bewusst. Sie spüren nur, dass Zeit verschwunden ist, dass sie Dinge tun, an die sie sich nicht erinnern, oder dass andere sie auf Verhaltensänderungen ansprechen. Erst im Laufe einer Therapie wird oft klar, dass mehrere Identitäten im Wechsel das Handeln bestimmen.

Häufig hat die Störung ihre Wurzeln in schweren Traumata in der frühen Kindheit – etwa Missbrauch oder Vernachlässigung –, als das Gehirn noch nach Möglichkeiten suchte, psychischen Schmerz abzufedern. Die Dissoziation wird dann zu einem Schutzmechanismus: Die Person „spaltet“ sich ab, um zu überleben.

Heute gibt es Therapien, die dabei helfen können, die verschiedenen Identitäten zu verstehen und langfristig zu integrieren. Voraussetzung ist jedoch, dass die Person die Diagnose kennt und professionelle Unterstützung in Anspruch nimmt. Aufklärung ist deshalb entscheidend – für Betroffene, Angehörige und die Gesellschaft.

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