Warum ich meine Gefühle nicht benennen kann
Es kommt oft vor, dass Menschen das Gefühl haben, ihre Emotionen nicht greifen zu können. Sie spüren etwas – vielleicht ein Kribbeln im Bauch, Unruhe oder Erschöpfung –, aber sie wissen nicht, ob es Wut, Traurigkeit oder Angst ist. Dieses Phänomen ist weit verbreitet und hat einen Namen: Alexithymie. Dabei handelt es sich um eine Schwierigkeit, Gefühle wahrzunehmen, zu benennen und auszudrücken. Menschen mit ausgeprägter Alexithymie wirken manchmal distanziert oder gefühlskalt – doch das ist nicht Absicht, sondern ein Mangel an sprachlichem oder bewusstem Zugang zu inneren Zuständen.
Emotionale Körnung: Der Schlüssel zur SelbstwahrnehmungIn der Psychologie spricht man von „emotionaler Körnung“ – einem feinkörnigen Bewusstsein für eigene Gefühle. Wer über viele emotionale Begriffe verfügt, kann unterscheiden: Ist es bloß Ärger oder tiefe Enttäuschung? Nervosität oder echte Angst? Wer nur „gut“ oder „schlecht“ fühlt, hat eine grobkörnige Wahrnehmung. Das erschwert nicht nur das Verständnis für sich selbst, sondern auch für andere.
Ursachen für eingeschränkte Gefühlswahrnehmung können frühkindliche Erfahrungen, eine emotionsferne Erziehung oder chronischer Stress sein. Viele lernen nie, dass Gefühle benannt werden dürfen. Doch es ist nie zu spät: Durch Achtsamkeit, Therapie oder einfach das Üben mit einem Gefühlstagebuch kann man diese Fähigkeit trainieren. Es beginnt damit, sich selbst zu erlauben, innezuhalten und leise zu fragen: „Was spüre ich gerade – wirklich?“
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