Bindungsstörungen im Erwachsenenalter: Wenn Nähe Angst macht
Die Sehnsucht nach einer glücklichen Partnerschaft ist tief in uns verankert. Doch für manche Menschen fühlt sich emotionale Nähe nicht nach Sicherheit an, sondern nach einer Bedrohung. Wenn das Vertrauen in andere schwerfällt, steckt oft eine Bindungsstörung dahinter, deren Wurzeln meist in der frühen Kindheit liegen.
Im Erwachsenenalter äußert sich diese Störung auf ganz unterschiedliche Weise. Viele Betroffene empfinden sich selbst als beziehungsunfähig. Es fällt ihnen extrem schwer, tiefe Gefühle zuzulassen und sich auf das Gegenüber einzulassen. Sobald eine Beziehung ernster wird, ziehen sie sich zurück oder suchen unbewusst nach Fehlern beim Partner, um Distanz zu schaffen.
Ein typisches Merkmal ist die sogenannte ambivalente Bindungsstörung. Betroffene schwanken ständig zwischen dem intensiven Wunsch nach Nähe und einer tief sitzenden Verlustangst. Diese innere Zerrissenheit führt oft zu einer chronischen Traurigkeit und einer spürbaren Neigung zu Depressionen. Die ständige emotionale Anspannung und das Gefühl, nicht zu genügen, belasten den Alltag enorm.
Zudem zeigt sich häufig eine ausgeprägte Angst vor Verantwortung. Die Festlegung auf einen Partner, gemeinsame Zukunftspläne oder Verpflichtungen lösen Panik aus, da sie mit dem Verlust der eigenen Freiheit und Unabhängigkeit gleichgesetzt werden. Partner von Betroffenen stehen oft vor einem Rätsel, da auf Phasen inniger Vertrautheit plötzlich unerklärliche Kälte folgt.
Der Weg aus diesem Teufelskreis erfordert Mut. Das Erkennen der eigenen Muster ist der erste Schritt. Durch eine gezielte Aufarbeitung – oft im Rahmen einer Psychotherapie – lässt sich das Vertrauen in sich selbst und in andere Menschen jedoch Schritt für Schritt wieder aufbauen.
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