Eine vergrößerte Milz – medizinisch als Splenomegalie bezeichnet – ist selbst keine eigenständige Krankheit, sondern ein klinisches Symptom. In vielen Fällen handelt es sich um eine Reaktion des Körpers auf eine Infektion, Entzündung oder eine Erkrankung des Blut- und Lymphsystems. Ob eine vergrößerte Milz gefährlich ist, hängt von der zugrundeliegenden Ursache ab, weshalb eine Abklärung durch Fachmediziner stets erforderlich ist.
Anatomie und Funktion der Milz
Die Milz liegt im linken Oberbauch direkt unter dem Rippenbogen und wiegt bei einem gesunden Erwachsenen etwa 150 bis 200 Gramm mit einer Länge von circa 11 bis 13 Zentimetern. Trotz ihrer überschaubaren Größe erfüllt sie zwei wesentliche Aufgaben im Körper:
Immunabwehr (Weiße Pulpa): Als größtes lymphatisches Organ filtert die Milz Krankheitserreger wie Bakterien und Viren aus dem Blutkreislauf und bildet Antikörper.
Blutreinigung und -speicherung (Rote Pulpa): Sie baut überalterte oder beschädigte rote Blutkörperchen (Ethrozyten) ab und dient als Speicherorgan für Blutplättchen (Thrombozyten).
Wann spricht man von einer Splenomegalie?
Eine Vergrößerung der Milz liegt vor, wenn das Organ in der Ultraschalluntersuchung (Sonografie) eine Länge von mehr als 13 Zentimetern aufweist oder ein Gewicht von über 500 Gramm erreicht. In extremen Fällen (exzessive Splenomegalie) kann das Organ ein Gewicht von über 1.000 Gramm annehmen und bis in das kleine Becken hineinreichen.
Symptome einer vergrößerten Milz
Da die Milz schmerzunempfindlich ist, verlaufen leichte bis mäßige Vergrößerungen oft symptomlos und werden zufällig bei einer Routineuntersuchung entdeckt. Wenn Beschwerden auftreten, resultieren diese meist aus dem Druck des Organs auf umliegende Strukturen:
Völlegefühl und Appetitlosigkeit: Die vergrößerte Milz drückt auf den Magen, was bereits nach kleinen Nahrungsmengen zu einem Sättigungsgefühl führt.
Druckschmerz im linken Oberbauch: Bei deutlicher Größenzunahme dehnt sich die Organkapsel, was zu stumpfen Schmerzen führen kann, die mitunter in die linke Schulter ausstrahlen.
Symptome durch Blutbildveränderungen (Hypersplenismus): Eine überaktive Milz baut nicht nur alte, sondern auch gesunde Blutkörperchen ab. Die Folgen sind Anämie (Blutarmut mit Müdigkeit), erhöhte Infektanfälligkeit (Mangel an weißen Blutkörperchen) sowie eine verstärkte Neigung zu Blutung und blauen Flecken (Mangel an Blutplättchen).
Häufige Ursachen einer Milzvergrößerung
Die Ursachen für eine Splenomegalie sind vielfältig und werden in folgende Hauptgruppen unterteilt:
Infektionskrankheiten: Bei viralen Infekten wie dem Pfeifferschen Drüsenfieber (Epstein-Barr-Virus) oder bakteriellen Erkrankungen (z. B. Endokarditis, Tuberkulose) arbeitet das Immunsystem auf Hochtouren, was zu einer vorübergehenden Schwellung des Organs führt.
Lebererkrankungen und Stauung: Leberzirrhose oder eine Thrombose der Pfortader führen zu einem Rückstau des Blutes in die Milzvene. Der erhöhte Druck lässt die Milz anschwellen (Stauungsmilz).
Hämatologische Erkrankungen: Leukämien, Lymphome oder myeloproliferative Erkrankungen führen zu einer Überproduktion von Blut- oder Lymphzellen, die sich im Milzgewebe anreichern.
Autoimmun- und Speicherkrankheiten: Erkrankungen wie Lupus erythematodes oder seltene Stoffwechselstörungen (z. B. Morbus Gaucher) können ebenfalls eine Splenomegalie auslösen.
Wann wird eine vergrößerte Milz gefährlich?
Eine Splenomegalie birgt zwei Hauptrisiken: Die Milzruptur (Organriss) und den Hypersplenismus. Durch das geschwollene Gewebe wird die Organkapsel dünner und anfälliger für Verletzungen. Bereits leichte Stumpftraumen, etwa durch Stürze oder Kontaktsport, können zu einem lebensgefährlichen Einriss der Milz führen. Zudem kann die exzessive Blutkörperchen-Speicherung das Immunsystem und die Blutgerinnung erheblich schwächen.
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