Um es kurz zu machen: Ja, man kann es definitiv sagen, und fast jeder tut es auch täglich. Sprachkritiker mögen beim Ausdruck „Sinn machen“ zwar regelmäßig Schnappatmung bekommen und stur auf das traditionelle „Sinn ergeben“ verweisen, doch die sprachliche Realität sieht längst anders aus. Der Ausdruck hat sich im heutigen Sprachgebrauch fest etabliert. Ob Anglizismus oder organischer Sprachwandel – wer die Wendung nutzt, verstößt keineswegs gegen ein unumstößliches Naturgesetz der Germanistik, sondern bedient schlichtweg eine lebendige, sich stetig verändernde Umgangssprache.

Der ewige Streit um die Herkunft: Anglizismus oder tief verwurzelte Tradition?

Die landläufige Meinung besagt, dass die Wendung „Sinn machen“ eine schlechte Eins-zu-eins-Übersetzung des englischen „to make sense“ sei. Bastian Sick und andere Sprachpfleger brannten diesen Gedanken regelrecht in das kollektive Gedächtnis der Nation. Doch verhebt man sich an dieser These nicht ein wenig? Historische Dokumente zeigen ein deutlich nuancierteres Bild. Schriften von Gotthold Ephraim Lessing oder Immanuel Kant enthalten bereits ganz ähnliche Konstruktionen. Natürlich hat der massive Einfluss der englischen Sprache durch globale Medien, Programmierung und Wirtschaftskommunikation im 20. und 21. Jahrhundert als Katalysator gewirkt. Die Phrase glitt dadurch mühelos aus der Übersetzungsecke direkt in den Alltagswortschatz. Dennoch ist die kategorische Brandmarkung als bloßer „Barbarismus“ sprachwissenschaftlich kaum zu halten. Dialekte und historische Schriften nutzten das Verb „machen“ schon immer in extrem flexibler Weise, um abstrakte Zustände greifbar zu machen. Wer also behauptet, die Phrase existiere erst seit einigen Jahrzehnten wegen Hollywood-Filmen, übersieht die verschlungenen Pfade der deutschen Sprachgeschichte.

Sprachlogik unter der Lupe: Lässt sich Sinn wirklich „herstellen“?

Das Hauptargument der Sprachkritik wiegt scheinbar schwer: Sinn sei nichts, was man handwerklich produzieren oder im physikalischen Sinne fabrizieren könne. Man könne Stühle machen, Fehler machen oder Musik machen – aber Sinn? Sinn erschließe sich, er sei vorhanden oder eben nicht, weshalb er streng genommen nur „ergeben“ oder „haben“ könne. Diese Argumentation setzt allerdings eine extrem Verbum-zentrierte, beinahe naive Sichtweise auf Semantik voraus. Sprache funktioniert selten nach den starren Gesetzen der formalen Logik; sie wimmelt nur so von Metaphern und übertragenen Bedeutungen. Niemand beschwert sich darüber, dass man „Erfahrungen macht“ oder „Eindruck macht“, obwohl auch hier nichts im materiellen Sinne geschmiedet wird. Das Verb „machen“ dient im Deutschen seit jeher als universelles Funktionsverb. Die Fixierung auf den Bedeutungsgehalt von „herstellen“ blendet völlig aus, wie dynamisch Metaphern in einer lebendigen Sprache agieren. Wer „das macht keinen Sinn“ sagt, wird von jedem Muttersprachler auf der Stelle verstanden – und genau das ist die primäre Funktion von Kommunikation.

Kontext ist alles: Wann die Wendung passt und wann Sie aufpassen sollten

Sollten Sie die Wendung also bedenkenlos überall herausschleudern? Das kommt ganz auf das Spielfeld an. Im alltäglichen Gespräch, im Chat, im Podcast oder in der legeren E-Mail an Kollegen kräht kein Hahn danach. Hier wirkt ein gestelztes „Das ergibt aber keinen Sinn“ mitunter sogar hölzern oder belehrsam. Die Formulierung „das macht keinen Sinn“ transportiert eine gewisse Dynamik und Unmittelbarkeit, die im schnellen Austausch extrem gut funktioniert. In akademischen Arbeiten, juristischen Schriftsätzen, anspruchsvollen Essays oder hochoffiziellen Reden empfiehlt sich hingegen weiterhin die klassische Variante. Nicht, weil die Formulierung grammatikalisch falsch wäre, sondern weil sie von Teilen der Leserschaft nach wie vor als stilistischer Fauxpas wahrgenommen wird. Es geht hierbei weniger um Sprachlogik als vielmehr um soziolinguistische Anstandsregeln und Erwartungshaltungen. Wer konservative Prüfer oder streng kalkulierende Personalentscheider nicht unnötig provozieren möchte, greift im Zweifel zu „Sinn ergeben“, „unsinnig sein“ oder „widersprüchlich wirken“.

Häufige Stolperfallen und Experten-Tipps

Die größte Stolperfalle im alltäglichen Sprachgebrauch ist der unbewusste Transfer von Redewendungen aus dem Englischen. Die Formulierung „Sinn machen“ orientiert sich direkt am englischen „to make sense“. Im traditionellen Hochdeutsch galt lange Zeit ausschließlich die Wendung „Sinn ergeben“ oder „Sinn haben“ als grammatikalisch korrekt, da Sinn etwas Abstraktes darstellt, das nicht aktiv hergestellt oder produziert werden kann.

Ein typischer Fehler in formellen Texten ist die Verwendung von Umgangssprache dort, wo Präzision gefordert ist. Wenn Sie wissenschaftliche Arbeiten, Bewerbungen oder geschäftliche E-Mails verfassen, sollten Sie „es macht keinen Sinn“ konsequent vermeiden. Nutzen Sie stattdessen elegante Alternativen wie „ist nicht sinnvoll“, „erscheint unlogisch“ oder „ergibt keinen Sinn“. Ein weiterer Experten-Tipp: Achten Sie stets auf den Kontext und Ihr Zielpublikum. In lockeren Gesprächen unter Freunden stört sich kaum jemand an der Formulierung. Wer jedoch vor Fachpublikum spricht, wirkt mit der klassisch korrekten Variante deutlich sprachgewandter, kompetenter und stilistisch sicherer.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Ist „Sinn machen“ mittlerweile laut Duden erlaubt?

Der Duden verzeichnet die Wendung „Sinn machen“ mittlerweile als umgangssprachlich. Sie ist im alltäglichen Sprachgebrauch weit verbreitet und allgemein verständlich, gilt jedoch in der Schriftsprache und im gehobenen Deutsch weiterhin als stilistisch schwächer als „Sinn ergeben“.

Warum betrachten Sprachkritiker den Ausdruck als falsch?

Sprachkritiker argumentieren, dass das Verb „machen“ im Deutschen eine aktive Erzeugung von etwas Gegenständlichem beschreibt. Da Sinn nicht im physischen Sinne hergestellt werden kann, wird die Lehnübersetzung aus dem Englischen als sprachlich ungenau empfunden.

Welche Alternativen gibt es im professionellen Deutsch?

Im professionellen und akademischen Kontext empfehlen sich Formulierungen wie „das ist nicht zweckmäßig“, „das erscheint nicht nachvollziehbar“, „das ist unbegründet“ oder schlichtweg „das ergibt keinen Sinn“.

Redaktionelles Fazit

Sprache ist dynamisch und verändert sich ständig. Während „es macht keinen Sinn“ in der gesprochenen Alltagssprache längst fest verankert ist, bleibt „es ergibt keinen Sinn“ die unangefochten beste Wahl für alle formellen Anlässe. Wer stilistisch auf der sicheren Seite stehen möchte, greift im Zweifel immer zur klassischen Variante.