Die deutsche Rechtschreibung hält so manchen Stolperstein bereit, und wer dachte, dass einfache Zeitangaben uns niemals vor Probleme stellen könnten, hat sich geirrt. Besonders im Zeitalter von schneller digitaler Kommunikation, Chatnachrichten und E-Mails schleichen sich bei Wörtern wie heute schnell Fehler ein.
Die grammatikalische Natur von „heute“ als Temporaladverb
Um zu verstehen, warum bestimmte Schreibweisen korrekt sind und andere als Fehler gelten, müssen wir uns zunächst die Wortart ansehen. In der Grammatik fungiert das Wort „heute“ in der überwiegenden Mehrheit aller Fälle als Temporaladverb (auch Umstandswort der Zeit genannt).
„Heute lernen wir für die Klassenarbeit.“
„Ich habe heute keine Zeit.“
Da Adverbien im Deutschen grundsätzlich kleingeschrieben werden, lautet die eiserne Grundregel für das Wort im Satzinneren: Es wird fast immer kleingeschrieben.
Hier zeigt sich jedoch direkt der erste klassische Ausnahmefall, der rein mechanische Schreibregeln durchbricht: die Satzanfänge. Beginnt ein Satz mit dem Wort, greift die übergeordnete Grammatikregel, dass das erste Wort eines Satzes zwingend großgeschrieben werden muss.
Beispiel: „Heute ist ein wunderbarer Tag für eine Grammatik-Wiederholung.“
Handelt es sich hierbei um eine inhaltliche Veränderung des Wortes? Keineswegs. Es bleibt nach wie vor ein Adverb, die Großschreibung erfolgt hier rein aus typografischen beziehungsweise satzstrukturellen Gründen. Wer diesen Unterschied verinnerlicht, vermeidet bereits die ersten unnötigen Fehler bei der Textgestaltung.
Kombinationen mit Tageszeiten: Wenn aus Adverbien Substantive werden
Besonders spannend – und fehleranfällig – wird es, wenn das Wörtchen „heute“ mit den verschiedenen Tageszeiten kombiniert wird.
Hier greift eine Kombination aus zwei unterschiedlichen Wortarten, die exakt analysiert werden muss:
heute bleibt als erster Bestandteil das unveränderte Temporaladverb und wird daher konsequent kleingeschrieben.
Die darauffolgende Tageszeit (Morgen, Vormittag, Mittag, Nachmittag, Abend, Nacht) ist jedoch kein Adverb, sondern ein eigenständiges Substantiv (Nomen).
Substantive werden im Deutschen bekanntlich immer großgeschrieben.
heute Morgen
heute Vormittag
heute Mittag
heute Nachmittag
heute Abend
heute Nacht
Viele Lernende und auch geübte Schreiber neigen dazu, diese Ausdrücke in Eile komplett klein zu schreiben („heute abend“) oder – im vermeintlichen Drang nach Höflichkeit oder Betonung – beide Teile groß zu schreiben („Heute Abend“, außer am Satzanfang).
Was bedeutet das für den Satzanfang bei Tageszeiten?
Steht eine solche Kombination aus „heute + Tageszeit“ nun ganz am Anfang eines Satzes, dehnt sich die Satzanfangs-Großschreibung logischerweise auf das erste Wort aus.
Beispiel: „Heute Nachmittag treffen wir uns im Jugendzentrum.“
Hier sehen wir den seltenen Fall, in dem beide Wörter großgeschrieben werden – allerdings aus völlig unterschiedlichen grammatikalischen Gründen: Das erste Wort wegen der Position am Satzanfang, das zweite Wort wegen seiner Eigenschaft als Substantiv.
Möchtest du wissen, welche Sonderfälle es bei adverbialen Bestimmungen noch gibt und wie sich „heute“ von Substantivierungen wie „das heutige Datum“ unterscheidet?
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