Der Grönlandhai – ein lebendes Fossil

Wenn es um Lebensdauer geht, ist der Grönlandhai ein wahrer Rekordhalter. Dieser beeindruckende Meeresbewohner, der hauptsächlich in den eisigen Gewässern um Grönland und Island lebt, kann nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen mindestens 400 Jahre alt werden. Damit ist er das langlebigste bekannte Wirbeltier auf unserem Planeten.

Forscher unter der Leitung von Julius Nielsen von der Universität Kopenhagen untersuchten mehrere weibliche Exemplare und nutzten eine spezielle Methode zur Altersbestimmung über den Augapfel. Da Grönlandhaie sehr langsam wachsen – etwa einen Zentimeter pro Jahr – und erst mit etwa 150 Jahren fortpflanzungsfähig werden, war ihr Alter lange schwer zu bestimmen. Doch die Analyse der Augenlinsen, in denen sich kohlenstoffhaltige Substanzen über die Jahre ansammeln, brachte die überraschende Erkenntnis: Ein Exemplar maß über fünf Meter – und war schätzungsweise 400 Jahre alt.

Das bedeutet, viele dieser Tiere wurden geboren, als Galileo Galilei noch lebte und die Kolonialzeit in Amerika begann. Sie schwimmen heute noch durch die Tiefen des Nordatlantiks, weitgehend ungestört. Ihre Langsamkeit, sowohl im Wachstum als auch in der Fortbewegung, könnte ein Schlüssel zu ihrer außergewöhnlichen Langlebigkeit sein. Ihr Stoffwechsel ist äußerst träge – ein Vorteil in kalten, nährstoffarmen Tiefen.

Leider steht der Grönlandhai heute unter Naturschutz, weil früher oft als Beifang in Fischernetzen mitgefangen. Ihre langsamen Fortpflanzungsraten machen sie besonders verletzlich. Doch mit jedem neuen Erkenntnis gewinnt der Grönlandhai an Faszination – nicht nur als Überlebenskünstler, sondern als lebendiges Zeitzeugnis der Meere.

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