Das doppelte Plusquamperfekt: Eine sprachliche Besonderheit

Im Deutschen begegnet uns gelegentlich eine grammatische Konstruktion, die auf den ersten Blick ungewöhnlich wirkt: das doppelte Plusquamperfekt. Es tritt selten auf, kommt aber besonders in indirekter Rede vor, wenn über vergangene Ereignisse berichtet wird, die noch vor einem anderen Vergangenem liegen.

Ein Beispiel dafür findet sich in einem Satz wie: „Mignon hatte sich versteckt gehabt, hatte ihn angefaßt und ihn in den Arm gebissen.“ Hier wird nicht nur einmal, sondern zweimal die Zeitform des Plusquamperfekts verwendet – „hatte versteckt gehabt“, „hatte angefaßt“. Diese Verdopplung unterstreicht, dass die Handlung bereits abgeschlossen war, bevor eine andere einsetzte. Es verleiht dem Text eine dichte, fast dramatische Chronologie.

Das Phänomen ist eng verwandt mit der indirekten Rede in literarischen oder berichtenden Texten. Wenn ein Berichtender über etwas spricht, das in der Vergangenheit erzählt wurde, kann sich die Zeitebene verschieben – und damit entsteht das doppelte Plusquamperfekt. Ähnlich funktioniert das doppelte Perfekt im Konjunktiv, das ebenfalls in indirekter Rede vorkommt.

Heute ist diese Form im gesprochenen Deutsch nahezu verschwunden. Wer heute sagt „hatte versteckt gehabt“, klingt altmodisch oder überformal. Doch in der Literatur, besonders bei Autoren wie Goethe oder in historischen Texten, findet man sie noch gelegentlich. Es ist ein Zeugnis dafür, wie fein die deutsche Sprache Unterschiede in der Zeitabfolge ausdrücken kann – selbst wenn die Form heute eher selten wird.

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