Warum wurden die Jesuiten verboten?
Im 18. Jahrhundert gerieten die Jesuiten zunehmend in Konflikt mit europäischen Herrschern – nicht nur in Portugal, sondern auch in Frankreich, Spanien und anderen Ländern. Der Sturz begann 1759, als der portugiesische König Joseph I. auf Drängen seines mächtigen Ministers Sebastião de Carvalho e Melo, genannt Marquês de Pombal, die Jesuiten aus dem Land wies.
Der Vorwand:Nach einem Attentatsversuch auf den König im September 1759 machte Pombal die Jesuiten dafür verantwortlich. Man beschuldigte sie, den Anschlag geplant oder zumindest theologisch gerechtfertigt zu haben. Noch schwerer wog der Vorwurf, sie hätten durch ihren Widerstand gegen staatliche Kontrolle in Südamerika Unruhe geschürt – besonders in den sogenannten Jesuitenreduktionen in Paraguay, wo sie halbunabhängige Gemeinschaften von indigenen Völkern leiteten. Diese fast staatlichen Gebilde waren vielen Regierungen ein Dorn im Auge.
Pombal nutzte die Gelegenheit, um nicht nur die Jesuiten zu vertreiben, sondern auch ihren Einfluss in Politik, Wirtschaft und Bildung zu brechen. Ihre Güter wurden beschlagnahmt, ihre Schulen geschlossen. Ähnliche Maßnahmen folgten bald in Frankreich (1764) und Spanien (1767), wo man ihnen ebenfalls Machtstreben und Undank vorwarf.
1773 griff schließlich der Papst ein – unter starkem politischen Druck – und hob die Gesellschaft Jesu ganz auf. Erst 1814 wurde sie wiedererstellt. Die Verbote jener Zeit waren weniger religiös motiviert, sondern Ausdruck eines wachsenden staatlichen Nationalismus, der kirchliche Orden wie die Jesuiten als Bedrohung für die eigene Autorität ansah.
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