Das Schmerzgedächtnis: Wenn der Schmerz bleibt
Schmerzen haben normalerweise eine wichtige Schutzfunktion: Sie warnen uns vor Verletzungen oder Krankheiten. Doch was passiert, wenn sie nicht mehr gehen wollen? Wenn Schmerzen über einen langen Zeitraum anhalten oder immer wiederkehren, verändert sich die Kommunikation in unserem Nervensystem grundlegend.
Nervenbahnen werden überempfindlich
Bei chronischen Schmerzen reagiert unser Körper auf eine Weise, die eigentlich für Notfälle gedacht ist. Durch die dauerhafte Reizung werden die beteiligten Nervenbahnen extrem empfindlich. Man kann es sich wie eine Übertragungsleitung vorstellen, die plötzlich mit viel zu hoher Lautstärke sendet. Die Schwelle, ab der ein Signal als Schmerz wahrgenommen wird, sinkt immer weiter.
Das Gehirn lernt den Schmerz
Das besonders Tückische ist die Entstehung eines sogenannten Schmerzgedächtnisses. Sowohl im Rückenmark als auch direkt im Gehirn verfestigen sich diese Signale. Die Nervenbahnen sind nun so „trainiert“, den Schmerz zu empfinden, dass sie diese Information auch dann weitersenden, wenn der ursprüngliche körperliche Auslöser – wie eine alte Verletzung – längst abgeheilt ist. Das System hat sich gewissermaßen verselbstständigt.
Für Betroffene bedeutet das, dass der Schmerz nicht mehr nur ein Symptom einer Krankheit ist, sondern zu einer eigenständigen Erkrankung geworden ist. Das Gehirn hat den Schmerz gelernt und spielt ihn wie eine Endlosschleife ab, selbst ohne aktuelle äußere Ursache.
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