Kann ein Mensch süchtig machen?

Wenn wir an Abhängigkeit denken, kommen uns meist Substanzen wie Alkohol, Nikotin oder illegale Drogen in den Sinn. Doch die Psychologie zeigt, dass eine Sucht nicht zwingend an chemische Stoffe gebunden ist. Tatsächlich kann der menschliche Organismus nach fast jedem Verhalten eine Abhängigkeit entwickeln – und das schließt auch die Beziehung zu anderen Personen ein.

Die sogenannte Beziehungssucht oder emotionale Abhängigkeit funktioniert im Gehirn erstaunlich ähnlich wie eine klassische Substanzsucht. Wenn wir frisch verliebt sind oder intensive Bestätigung von einem bestimmten Menschen erhalten, schüttet unser Gehirn eine große Menge an Dopamin aus – das körpereigene Glückshormon. Das Belohnungszentrum wird aktiviert, was ein Gefühl von Euphorie auslößt.

Problematisch wird es, wenn das eigene Wohlbefinden, das Selbstwertgefühl und der gesamte Alltag ausschließlich von der Präsenz und der Anerkennung dieser einen Person abhängen. Bleibt die Bestätigung aus oder distanziert sich der Partner, kann dies echte Entzugserscheinungen wie Angstzustände, innere Unruhe, Schlafstörungen oder tiefe Niedergeschlagenheit hervorrufen. Betroffene vernachlässigen oft ihre eigenen Bedürfnisse, Hobbys und andere soziale Kontakte, nur um die Bindung um jeden Preis aufrechtzuerhalten.

Somit lautet die Antwort: Ja, ein Mensch bzw. das Verhalten im Umgang mit ihm kann süchtig machen. Es ist eine Verhaltenssucht, bei der die Sehnsucht nach Nähe und Bestätigung die Kontrolle über das rationale Handeln übernimmt. Eine gesunde Beziehung zeichnet sich durch Freiwilligkeit und Augenhöhe aus, während eine emotionale Abhängigkeit Betroffene in ein emotionales Gefängnis sperren kann.

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