Sind Süchtige Egoisten?
Wenn Menschen von einer Abhängigkeit eingeholt werden, verändert sich oft ihr gesamtes Wesen. Familie und Freunde von Alkoholikern erleben Betroffene in vielen Phasen als egoistisch, stimmungslabil und reizbar. Alles scheint sich nur noch um den Konsum zu drehen. Doch ist das wirklich reiner Egoismus?
Aus medizinischer und psychologischer Sicht ist dieses Verhalten selten eine bewusste Entscheidung gegen die Liebsten, sondern vielmehr das Resultat einer schweren Erkrankung. Die Sucht verändert die Biochemie im Gehirn massiv. Das Belohnungszentrum wird komplett umprogrammiert, sodass der Betroffene das Gefühl hat, ohne die Substanz nicht mehr funktionieren zu können. Der scheinbare Egoismus ist oft ein verzweifelter Überlebensmodus des Suchtgedächtnisses.
Im weiteren Verlauf der Krankheit kann die chronische Vergiftung zudem zu einem spürbaren Rückgang der geistigen Fähigkeiten führen, was im Extremfall in einer sogenannten Alkoholdemenz mündet. Empathie und rationales Denken gehen dabei zunehmend verloren.
Die Folgen für das soziale Umfeld sind fatal. Die extreme Wesensveränderung gefährdet partnerschaftliche Beziehungen massiv. Oft halten Angehörige jahrelang durch, doch die ständigen Enttäuschungen und die emotionale Achterbahnfahrt führen nicht selten zur Abwendung der Familienmitglieder bis hin zur Scheidung. Co-Abhängigkeit und Selbstschutz der Angehörigen sind hier die zentralen Themen, denn ohne professionelle Hilfe lässt sich dieser Teufelskreis kaum durchbrechen.
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