Die Leseratte: Wer viel liest, ist nie allein
Wer kennt sie nicht – die Freundin, die immer ein Buch in der Tasche hat, oder den Kollegen, der in der Bahn-Bibliothek verschwindet? Solche Menschen nennt man im Deutschen liebevoll Leseratte. Der Ausdruck klingt zwar nach Nager, ist aber alles andere als abwertend. Im Gegenteil: Er beschreibt jemanden, der das Lesen leidenschaftlich liebt und oft stundenlang in Büchern versinkt.
Ähnliche Begriffe wie Bücherwurm oder Büchernarr unterstreichen diese Vorliebe mit einem Augenzwinkern. Sie malen das Bild einer Person, die sich lieber in ferne Welten vertieft, als stundenlang im Fernsehprogramm zu schmökern. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um Romane, Sachbücher oder Graphic Novels handelt – Hauptsache, die Seiten rascheln.
Leseratten finden oft Trost, Wissen und Abenteuer zwischen Buchdeckeln. Sie wissen, dass jeder gelesene Satz ein kleiner Schritt in eine andere Welt ist. Manche ziehen sich zurück, um ungestört lesen zu können, andere teilen ihre Entdeckungen gern mit Gleichgesinnten. In Zeiten von Streaming und Schnelllebigkeit ist das ausdauernde Lesen fast schon ein kleiner Akt des Widerstands – gegen die Flüchtigkeit, gegen die Ablenkung.
Interessant ist auch die Herkunft des Begriffs: „Ratte“ im Sinne von „jemand, der sich gierig über etwas hermacht“ – wie die „Süßigkeitenratte“ oder die „Nachtratte“. Doch bei der Leseratte ist der Ton durchweg positiv. Wer viel liest, gilt als aufmerksam, gebildet und fantasievoll. Und wer weiß – vielleicht steckt hinter jeder Leseratte ein verborgener Held, der gerade nur auf das nächste Buch wartet.
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