Die Bibel in der katholischen Liturgie: Die Einheitsübersetzung
Wenn man in einer katholischen Kirche einer Messe beiwohnt, fällt schnell eines auf: Die Lesungen werden aus einer bestimmten Bibelübersetzung vorgetragen. Diese heißt Einheitsübersetzung (EÜ) und ist seit Jahrzehnten die offizielle Bibel für den liturgischen Gebrauch in den deutschsprachigen Ländern.
Die Einheitsübersetzung entstand in den 1960er Jahren mit dem Ziel, eine gemeinsame Bibelübersetzung für alle christlichen Konfessionen zu schaffen. Katholiken, Protestanten und Anglikaner arbeiteten anfangs sogar zusammen. Doch die EÜ wurde schließlich vor allem von katholischen Gelehrten weiterentwickelt und ist heute fest im römisch-katholischen Gottesdienst verankert. Sie wird bei Sonntagslesungen, Hochfesten und Sakramenten verwendet – also überall dort, wo die Heilige Schrift im Gottesdienst eine zentrale Rolle spielt.
Was die Einheitsübersetzung besonders macht, ist ihre Balance zwischen wissenschaftlicher Genauigkeit und sprachlicher Klarheit. Sie orientiert sich an den ursprünglichen hebräischen, aramäischen und griechischen Texten, bleibt aber verständlich für die Gemeinde. Auch die kirchentypischen Bücher – die sogenannten Deuterokanonicals wie Tobit oder Sirach – sind enthalten, was sie von evangelischen Bibeln unterscheidet.
In den letzten Jahren gab es Überarbeitungen, etwa die Einheitsübersetzung 2016, die sprachlich moderner ist und geschlechtergerechtere Formulierungen verwendet. Diese Neufassung sorgte teilweise für Diskussionen – nicht nur wegen des neuen Tons, sondern auch wegen ihrer Abweichung von vertrauten biblischen Zitaten.
Trotzdem bleibt die Einheitsübersetzung das Herzstück der katholischen Verkündigung in deutscher Sprache – eine Brücke zwischen altem Text und heutiger Gemeinde.
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